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Kerstin Dietrich erklärte ihren Austritt bei den Grünen„Nicht mit dieser hessischen Partei“

EXKLUSIV ALSFELD (aep). Als am Samstag in Frankfurt der Grünen-Parteitag die Entscheidung für die schwarz-grüne Koalition in Hessen fällte, da stand für ein sehr bekanntes und engagiertes Grünen-Mitglied in Alsfeld die Entscheidung ebenfalls fest: Kerstin Dietrich erklärte ihren Austritt aus der Partei Bündnis90/Die Grünen. Sie könnte nicht die einzige lokale Grünen-Politikerin bleiben, die diesen Schritt geht.

Seit vielen Jahren ist die 47-Jährige für die Grünen im Vogelsberger Kreistag dabei und hat mit der Grünen-Fraktion beziehungsweise jetzt der Alternativen-Liste auch seit mehreren Wahlperioden ein Mandat für die Alsfelder Stadtverordnetenversammlung. Kerstin Dietrich ist eines der bekanntesten Gesichter der Öko-Partei in der Region. Doch die Entwicklung, die sich in den vergangenen Wochen auf Landesebene abzeichnete, und die nun in den eindeutigen Beschluss pro schwarz-grün mündete, mag  Kerstin Dietrich nicht mehr mittragen, bestätigte sie im Gespräch mit Oberhessen-live. In einem Brief an den Landesvorstand erklärte sie nun ihren Austritt.

Es seien zwei Faktoren für sie entscheidend gewesen, die den Koalitionspartner CDU und die Grünen-Partei selbst betreffen. Es sei für sie nicht vorstellbar, dass ihre Partei mit der hessischen CDU zusammenarbeitet – gerade mit der hessischen CDU, erklärt sie: „Mit dem Koch ist doch das alte System nicht gegangen.“ Ein System, dem sie starke rechtskonservative Grundsätze vorhält und ein großes Maß an Unredlichkeit. Dazu nennt sie beispielhaft die CDU-Kampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft, die Spendenaffäre, die Steuerprüfer-Affäre. „Es wurden ein paar Köpfe ausgetauscht, aber es ist keine andere Partei geworden.“

„Ich bin weiter Grüne, aber nicht mit dieser hessischen Partei“

Es ist aber nicht nur die CDU selbst, mit der sie nicht einverstanden ist: Die hessischen Grünen hätten eine Entwicklung durchgemacht, von der sie enttäuscht sei. „Es gibt bei mir schon eine längere Enttäuschung über die Richtung des Bildungssystems“, sagt die hauptberufliche Lehrerin und meint die Grünen. Es habe eine Abkehr vom Gedanken der gleichen Bildungschance für alle Kinder gegeben, wie Grüne sie früher noch vorrangig vertraten. Stattdessen gebe es nun „eine schwammige Geschichte“, die im Grunde gewisse Ähnlichkeiten mit den CDU-Vorstellungen habe. Dann der Koalitionsvertrag: das Entgegenkommen beim Flughafenausbau, zu wenig Förderung ökologischer Landwirtschaft – sie finde ihr wichtige Inhalte darin nicht wieder. Ihr Fazit: „Es ist traurig, dass die Grünen eine Entwicklung gemacht haben, die so eine Koalition erst möglich macht.“

Kerstin Dietrich könnte nicht die einzige Vogelsberger Grüne sein, die diesen Schritt geht. Gerüchten zufolge, werden ihr weitere Mitglieder folgen. Sie behält damit natürlich ihre Mandate in Kreistag und Stadtverordnetenversammlung – aber parteilos.

Im Grunde, so sagt sie, wolle sie ja gar nicht mit den Landesgrünen schimpfen. Die hätten sich eben in eine gewisse Richtung entwickelt wie manche Grünen-Landesverbände in anderen Bundesländern auch – aber die wolle sie nicht mittragen. „Ich bin weiter Grüne“, sagt Kerstin Dietrich, „aber nicht mit dieser hessischen Partei.“

Ein Gedanke zu “„Nicht mit dieser hessischen Partei“

  1. Alle Achtung!!! An der Grünen-Basis gibt es noch Menschen mit Rückgrat, an der Parteispitze nicht.
    Auch andere Parteien mussten erfahren wie viel Prozent es kostet, seine Ideale zu vergessen.
    Parteispitze und Macht steht parteiübergreifend gegen Idealismus und Rückgrat.

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