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Viel Zeit für Austausch und Gespräche gab es am Vormittag auf dem Marktplatz. Im Vordergrund der Dekanatsmitarbeiter Ralf Müller. Foto: Dekanat/Schlitt

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Konferenz "Kirche im Aufbruch“ stellt Arbeit der Helfergruppen dar – Vogelsberger dabeiFlüchtlingshilfe als „deutliches Signal der Humanität“

VOGELSBERGKREIS/FRANKFURT. (ol). Die erste Flüchtlingskonferenz der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau stellte im Frankfurter Dominikanerkloster mehr als 50 Willkommensprojekte aus 20 Regionen der EKHN vor, in die Zuschüsse zur Flüchtlingshilfe geflossen sind. Das Motto: „Kirche im Aufbruch“. Dabei waren auch Vertreter der Evangelischen Dekanate Alsfeld und Lauterbach sowie des Diakonischen Werks.

Aktuell gibt es rund 224 von der Evangelischen Kirche Kurhessen-Nassau (EKHN) und der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck (EKKW) bezuschusste Projekte zur Förderung der Willkommenskultur in Gemeinden und Dekanaten, geht aus einer Pressemitteilung hervor. Gemeinsam mit der Diakonie Hessen finanzieren die beiden Kirchen sowohl hauptamtliche Stellen im Bereich der Beratung und Koordination als auch viele ehrenamtliche Projekte mit insgesamt vier Millionen Euro.

Fünf Vertreterinnen und Vertreter der Evangelischen Dekanate Alsfeld und Lauterbach sowie des Diakonischen Werks Vogelsberg reisten nach Frankfurt: Birgit Ebert, Martina Heide-Ermel, Ralf Müller, Traudi Schlitt und Franziska Wallenta präsentierten an ihrem Stand die Projekte ihrer Region. Darunter waren zum Beispiel auch die Fahrradwerkstatt in RZell, das Deutsch-Training in Groß-Felda, das One World Orchestra in Lauterbach oder die Interkulturelle Mutter-Kind-Spielgruppe in Alsfeld.

Die Stände bei der Veranstaltung waren rege besucht.

Auf große Resonanz stießen unter den mehr als 350 Teilnehmern aus ganz Hessen auch die weiteren Aktivitäten der Vogelsberger wie die Planung und Durchführung von Demonstrationen – etwa zuletzt gegen die Abschiebungen nach Afghanistan – oder der Betrieb eines Pools an ehrenamtlichen Übersetzerinnen und Übersetzern, der seit Juli letzten Jahres am Start ist und über den bereits knapp hundert Einsätze vermittelt werden konnten.

Die Veranstaltung hatte auch prominente Gäste, unter anderem Kirchenpräsident Dr. Volker Jung, den Diakonie-Vorsitzenden Horst Rühl, die rheinland-pfälzische Integrationsministerin Anne Spiegel, den hessischen Staatsminister Axel Wintermeyer, die stellvertretende Präses der Synode Dr. Susanne Bei der Wieden sowie die stellvertretende Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf.

Als ein „deutliches Signal der Humanität“ bezeichnete Dr. Volker Jung in seiner Begrüßung das Engagement für Ausgeschlossene und Geflohene. Migration und Flucht seien weltweite Themen, die nicht durch den Bau von Grenzzäunen gelöst werden könnten, so der Kirchenpräsident in seiner Ansprache. Deutschland müsse offen und aufnahmebereit bleiben, forderte er, Kirche müsse mit Politik um einen gemeinsamen Weg ringen. Menschen in Not zu helfen, sei Christen ans Herz gelegt. Für die Integration derer, die bleiben wollten, brauche es jetzt viele Menschen, die sich nicht Angst machen ließen, schloss Dr. Jung seine Rede.

Eine große Ehre für alle: Der Auftritt des Lauterbacher One World Orchestra anlässlich der Flüchtlingskonferenz im Dominikanerkloster.

„Als Diakonie und Evangelische Kirche stehen wir mitten in der Gesellschaft“, befand Dr. Susanne Bei der Wieden. Neben der Bereitstellung finanzieller Mittel für die Arbeit mit Geflüchteten sah sie auch die Bekämpfung von Fluchtursachen als ein wichtiges Handlungsfeld der Kirchen an; ganz deutlich sprach sie sich in diesem Zusammenhang gegen Waffenlieferungen aus. Axel Wintermeyer unterstrich in seiner Ansprache die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements in der Flüchtlingsarbeit. Ohne dieses könnten die großen Herausforderungen nicht gelingen. Als Ziel für die kommenden Jahre nannte der Staatssekretär die Integration der Geflüchteten in die Systeme bürgerschaftlichen Engagements. „Das Ankommen nach dem Herkommen ist eine Herkulesaufgabe.“ Gleichzeitig warnte Wintermeyer vor einer Spaltung der Gesellschaft und betonte, dass man populistischen Angstmachern gemeinsam entgegentreten müsse.

Nachdem der Vormittag im Dominikanerkloster – musikalisch übrigens eingerahmt von Musikern des Lauterbacher One World Orchestra – für alle Beteiligten einen Marktplatz der Möglichkeiten, der Ideen und des Austauschs bot, hatten die Anwesenden am Nachmittag die Möglichkeit, ein Thema ihrer Wahl zu vertiefen – fachkundig moderiert und ergebnisorientiert. Zur Wahl standen die übergeordneten Bereiche „Integration“, „Konflikte“, „Partizipation“, „Grenzen“, „Vernetzung“ und „Selbstvergewisserung“. In allen Diskussionen wurde deutlich, was die betroffenen Personen – seien es Hauptamtliche, freiwillige Flüchtlingsbegleiter oder die Geflüchteten selbst – an Erfahrungen gesammelt haben und was sie daraus resultierend für eine gelingende Integration als nötige Veränderungen erachten.

Die einzelnen Ergebnisse wurden in einem Abschlussplenum festgehalten. Trotz der vielen Ideen, Denkanstöße und Erfolge der Vergangenheit war an diesem Tag aber auch deutlich geworden, was am Ende Pfarrer Andreas Lipsch, Bereichsleiter FIAM (Themenfeld Flucht, Interkulturelle Arbeit, Migration) der EKHN in die Waagschale legte: Auch wenn sich zu einem Anlass wie diesem alle Anwesenden einig seien, seien die Welt und auch die nahe Umgebung rauer geworden. Es werde viel Standhaftigkeit vonnöten sein, um weiterhin engagiert für das Wohl geflüchteter Menschen einzutreten.

4 Gedanken zu “Flüchtlingshilfe als „deutliches Signal der Humanität“

  1. Humanität? Leider falsch verstanden. Dass man benutzt wird, verstehe ich!! Würde ich auch so machen. @Schlimm (aber die Wahrheit) sagt alles.

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  2. Super Argumente! Zum Beispiel „Waffen für alle Besorgten“ a la Afd und Trump? Sieht man in Kassel wozu das führt! Waffen haben im Privatbereich in Bürgerhänden nichts, aber auch gar nichts zu suchen!

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  3. Die Gewählten sind in erster Linie (auch laut Amtseid) für wen zuständig? Wie viele von dehnen schlafen unter Brücken oder wühlen in Mülltonnen? Sich um diese zuerst zu kümmern ist leider nicht in!

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  4. Singen und klatschen hilft im Notfall immer !
    Wilders, Le Pen, Orban, Trump und Frauke haben die besseren Argumente.

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