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Witzig, verrückt und unbeschreiblich talentiert: der 14-jährige Diyar Ilhan ist ein echtes Schauspieltalent. Hier beim Alsfelder Wintermärchen: Schneeweißchen und Rosenrot". Foto: le

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14 Jahre alt und außerordentlich talentiert – Diyar Ilhan im Interview über Schauspiel, seine Idole und seine Wünsche„Ich wollte schon immer etwas anderes machen“

ALSFELD (ls). Jung, dynamisch und unglaublich talentiert: Das ist der 14-jährige Alsfelder Diyar Ilhan, bekannt aus Film und Fernsehen. Naja, nicht ganz, aber fast. Bekannt ist der Schüler aus Alsfeld allerdings schon, und zwar für seine gute Schauspielleistung beim Wintermärchen oder bei den Bad Hersfelder Festspielen. Oberhessen-Live hat mit dem 14-Jährigen über seinen Traum, ein bekannter Schauspieler zu werden, gesprochen.

Gerade noch stand er auf der Bühne zum diesjährigen Wintermärchen. Witzig, aufgeweckt, genau das richtige Maß an Übertreibung und ein fast unübersehbares Talent für Schauspielerei – das ist Diyar Ilhan. Schon seit er sechs Jahre alt war, gab es für ihn keinen Zweifel: Er möchte Schauspieler werden, das steht fest.

Dafür hat der Schüler bereits einiges getan: Wintermärchen, Bad Hersfelder Festspiele, Kurzfilme, Workshops, ein längerer Film, Theaterstücke und vieles mehr. Was das für ein Film war, wie er zum Schauspiel kam, was seine Wünsche sind und was er von Elyas M’Barek hält, das verriet er in einem Interview mit Oberhessen-Live.

Im Interview mit Diyar Ilhan: Schauspielerei – eine Liebe von Anfang an

Oberhessen-Live: Hallo Diyar, schön, dass Du so kurz vor dem nächsten Wintermärchenauftritt ein bisschen Zeit gefunden hast. Du bist ja schon ganz schön bekannt in Alsfeld: Wie kamst Du zum Schauspielern?

Ich glaube, jeder hat in seiner Kindheit so Phasen, in denen er beispielsweise Feuerwehrmann, Polizist oder Lehrer werden möchte. Ich selbst wollte auch immer gerne Kommissar werden – das war mein großer Wunsch. Aber gleichzeitig wollte ich immer das, was meine große Schwester wollte – und so kam ich zum Schauspiel. Anfangs war das so ein leichtes Albern auf der Bühne, aber dann haben wir es mit einer Agentur versucht, die mich und meine Schwester dann nicht genommen hat. Meine Schwester hat aufgehört, aber ich habe weiter gemacht. Also habe ich mich informiert und mich an einer Kinder- und Jugendschauspielschule in Frankfurt beworben.

Ich wollte anders sein.Diyar Ilhan

Da war allerdings kein Platz frei und dann habe ich dort an vielen Workshops teilgenommen und bereits kleine Filme gedreht und auch hier bei der Marktspielgruppe habe ich anfangen. Das war so etwa meine Basis und so ging es dann weiter. Ich habe mich bei einer Agentur beworben und die haben mich genommen. Kurz danach habe ich schon meinen ersten Film gedreht. Ich glaube, als ich anfing, war ich sechs Jahre alt.

Preisnominierung auf dem Filmfestival in Lübeck

Oberhessen-Live: Dann hast Du bisher ja schon ziemlich viel erlebt für deine 14 Jahre. Was für ein Film war das?

Der Film heißt „Sharaf“ und lief auf dem Filmfestival in Lübeck im Herbst. Da waren wir sogar für einen Preis nominiert und waren alle dort vor Ort. Gewonnen haben wir den Preis leider nicht.

Oberhessen-Live: Erzähl doch mal kurz von deiner Rolle in dem Stück. Um was ging es und wen hast du gespielt?

Ich spielte einen 13-jährigen Deutsch-Afghanen – als der Film gedreht wurde, war ich selbst gerade elf Jahre alt – der vor einer schweren Entscheidung stand. Entweder er würde den geforderten Ehrenmord an seinem ältesten, schwulen Bruder Beshad durchführen oder es akzeptieren und damit die Familie gegen sich selbst aufbringen. Insgesamt gibt es drei Brüder, die alle Muslime sind. Der Vater akzeptiert das natürlich nicht, die Mutter ist tot und der mittlere Bruder ist ein bisschen auf Krawall gebürstet und will den Ältesten eigentlich selbst umbringen – das soll aber der Kleinste machen, weil er angeblich dadurch zum Mann wird. Es kommt alles, wie es kommen muss und der kleinste Bruder begeht Selbstmord.

Oberhessen-Live: Das war bestimmt eine Herausforderung für Dich.

Ja, vor allem war es mein erstes größeres Projekt. Wenn ich das jetzt ansehe, frag ich mich schon manchmal „Man, was hast du da nur gemacht?“ Aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Erfahrung.

Der Text sitzt – das muss wohl an der Übung liegen, schließlich spielte der 14-jährige Schüler bereits bei mehreren Kurzfilmen und sogar einem preisnominierten Film mit. Foto: kiri

Oberhessen-Live: Wie viele Projekte hattest Du bisher?

So circa zehn Projekte hatte ich – also mit allem: Theater, Schauspiel, Film. Bei Theater war es überwiegend hier bei der Marktspielgruppe und in Bad Hersfeld bei den Festspielen. Da habe ich bei Krabat und bei Sommernachts-Träumereien mitgespielt – einmal eine größere Rolle und einmal eine kleinere. Außerdem gab es ein paar Kurzfilme in der Schauspielschule, bei denen ich mitgemacht habe.

Irgendwie reingestolpert: die Bad Hersfelder Festspiele

Oberhessen-Live: Wie kam es dazu, dass Du bei den Bad Hersfelder Festspielen mitgespielt hast?

Also prinzipiell habe ich mich nicht beworben. Naja jedenfalls anfangs nicht. Eine Freundin von mir hat im Radio gehört, dass der Dieter Wedel noch Schauspieler sucht und darauf hin habe ich mich dann beworben und dann bin ich ausversehen in das falsche Projekt geraten – zu den Sommernachts-Träumereien und irgendwie bin ich da mit reingestolpert. Außerdem bin ich in Hersfeld in dem Verein „Sommernachtsträumer e.V.“, der sich für junge Schauspieler einsetzt und ihnen Weiterbildungsmöglichkeiten und Auftritte verschafft. So kam ich dann zu Krabat, weil der Verein auch eng mit den Bad Hersfelder Festspielen zusammenarbeitet.

Oberhessen-Live: Und wie sieht es später einmal aus? Willst Du dein aktuelles Hobby später mal zum Beruf machen?

Ja, es wäre schon ziemlich schade aufzuhören. Ich möchte mich dann später gerne an einer Schauspielschule bewerben. Ich habe schon mit vielen darüber gesprochen und naja, das ist natürlich kein einfacher Beruf und es ist auch nicht leicht da rein zu kommen, aber ein Versuch ist es wert. Vielleicht möchte ich auch ein bisschen bei der Regie reinschauen. Ich mag das Gesamtpaket. Aber vorher möchte ich noch mein Abitur machen. Momentan gehe ich in die 8. Klasse der Albert-Schweitzer-Schule – bis es mal so weit ist, habe ich noch ein bisschen Zeit.

Oberhessen-Live: Das heißt, bislang möchtest Du es eher als Hobby neben der Schule beibehalten?

Ja auf jeden Fall, denn als Kinderschauspieler hat man es auch etwas schwer. Man darf natürlich nur eine gewisse Zeit am Set drehen, sonst wird es als Kinderarbeit angesehen. Da muss man sich dann natürlich dran halten.

Schule und Schauspielern? Kein Problem

Oberhessen-Live: Beeinflusst das Schauspielen auch die Schule oder klappt das alles gut?

Also eigentlich klappt das immer sehr gut. Natürlich hab ich manchmal mehr Lust auf Schule und mal weniger – das geht denke ich jedem Schüler so. Aber mein Hobby ist der Grund, weshalb ich gute Noten schreiben muss, weshalb ich mich in der Schule anstrengen muss. Schauspielerei ist der Ansporn zum Lernen, denn nur mit guten Noten schaffe ich es auf eine gute Schauspielschule.

Oberhessen-Live: Gibt es denn bestimmte Aufnahmekriterien an solchen Schauspielschulen?

Ja, meistens muss man verschiedene Szenen aufführen können. Auf der bekanntesten Schauspielschule in Berlin, also die Ernst-Busch-Schule, auf die ich selbst auch gerne gehen würde, muss man eine historische Szene und eine aus der Neuzeit aufführen. Außerdem muss man entweder noch singen oder tanzen.

Diyar Ilhan

Viel Talent zeigte er schon bei den Proben des letzten Wintermärchens im September. Foto: kiri

Oberhessen-Live: Oh, also ein Allroundtalent sozusagen – und was steht dabei bei Dir zur Auswahl?

Ähm, ich würde nicht sagen, dass ich sehr musikalisch bin, aber ich spiele Geige. Ich wusste allerdings bis letztes Jahr nicht mal, wie die Töne heißen. Was ich dann wählen werde, gucke ich dann, wenn ich mal so weit bin. Bis dahin ist ja noch etwas Zeit.

Aus Komplimenten und Kritik kann ich lernen. Dadurch kann ich mich weiterentwickeln. Diyar Ilhan

Oberhessen-Live: Das stimmt. Was macht dir besonders Spaß am Schauspielen?

Das ist mir ehrlich gesagt erst ein bisschen später bewusst geworden. Ich spiele auf einer Bühne und alles, was ich aus dem Alltag so mitnehme – also Wut, Trauer, Angst, Freude und andere Emotionen – kann ich durch das Spielen auf der Bühne rauslassen. Das ist meine Chance, die ich im Alltag so nicht habe. Es ist natürlich dadurch bedingt, dass ich in die verschiedensten Rollen schlüpfen darf. Das ist für mich das Wichtigste. Komplimente und Kritik bringen mir immer sehr viel, weil ich davon lernen kann – und genau darum geht es ja: lernen und weiterentwickeln. Wenn ich mit ärgere – egal ob über andere oder mich selbst – dann kann ich das auf der Bühne auslassen.

Das Schauspielern ist einfach etwas ganz besonderes für mich. Normalerweise stottere ich, aber auf der Bühne, wenn ich spiele oder singe, dann ist das plötzlich weg und ich kann frei sprechen. Das ist also fast wie ein Zauber.

Oberhessen-Live: Was wünscht Du dir für deine Zukunft?

Ich möchte kein Elyas M’Barek werden. Er wird sehr begehrt, aber meiner Meinung nach wird da weniger auf das Schauspiel an sich geachtet. Ich möchte schon irgendwann, dass mein Name bekannt ist, aber ich möchte nicht, dass er so gefeiert wird. Ich wollte früher gerne zum Film, aber mittlerweile möchte ich lieber zum Theater. Ich finde das im Moment einfach intensiver. Beim Theater kann man richtig spielen – ein bisschen übertreiben und viel daraus machen. Beim Film bleibt alles dezenter. Im Theater kann man improvisieren und selbst hineininterpretieren und der Rolle seine eigene Stimme verleihen.

So werden wie Elyas M’Barek? Nein, danke

Oberhessen-Live: Noch kurz – Du sagst kein Elyas M’Barek. Gibt es denn jemanden, dem Du ähnlich werden möchtest? Hast du ein Idol?

Also ich mag beispielsweise Tom Hanks, auch wenn er nicht unbedingt mein Idol ist. Ich finde, er spielt sehr gut und hat nicht immer dieselbe Rolle. Das mag ich nämlich auch nicht so gerne, wie Till Schweiger beispielsweise: Er spielt immer die gleiche Vaterrolle. Florian David Fitz mag ich als Schauspieler auch sehr gerne. Es gibt aber keinen, den ich als Idol ansehe. Ich möchte gerne eigenständig werden, aber wer weiß. Vielleicht gibt es irgendwann mal einen Schauspieler, der zu meinem Idol wird.

Aber ich mag die Filme der Wachowski-Geschwister sehr gerne. So was wie Cloud Atlas oder Matrix. Das wäre wirklich ein großer Traum für mich da mitzuspielen, aber da bin ich noch weit entfernt von.

Oberhessen-Live: Zum Abschluss: Mit der Schule und dem Schauspielern hast Du ja ziemlich viel zu tun. Hast Du denn auch noch andere Hobbys?

Das ist eine gute Frage. Ich habe sehr früh angefangen Einrad zu fahren, aber das mache ich jetzt nicht mehr. Eigentlich habe ich schon immer gerne geschauspielert. Ich habe auch in den Pausen mal Fußball gespielt, aber das ist kein richtiges Hobby. Ich wollte schon immer etwas anderes machen und nicht mit dem Strom mitschwimmen. Ich wollte anders sein.

Luisa Stock
Studierte in Gießen Germanistik und Kunstgeschichte und ist seit Juli 2016 Volontärin bei Oberhessen-live.

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