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Ein Zertifikat für einen neuen Flüchtlingsbetreuer: Auch Landrat Manfred Görig verteilte die Urkunden am Mittwoch. Fotos: aep

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Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer erhielten nach der Ausbildung ihre Zertifikate„Menschen, die anderen Menschen helfen“

ALSFELD (aep). „Es tut gut, wenn man mehrmals am Tag gesagt bekommt: Du bist willkommen!“ Mit diesen Worten spielte Dekan Dr. Jürgen Sauer auf die im Englischen gebräuchliche Begrüßungsfloskel an – und meinte doch einen höchst ernsthaften und aktuellen Hintergrund, als er in Alsfeld 40 Helfer willkommen hieß, die gerade über Monate einen Lehrgang in der betreuenden Unterstützung von Flüchtlingen absolviert haben. Dafür erhielten sie am Mittwochabend unter dem Dach des Cafés Alte Molkerei ihre Zertifikate – verbunden mit einer kleinen Feier.

Gleich mehrere Organisationen arbeiteten über den Winter im Vogelsbergkreis zusammen, um Freiwillige in der ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuung auszubilden, erklärte bei dem Anlass der kirchliche Bildungsreferent Ralf Müller den versammelten Absolventen. Zu deren Abschlussabend waren auch Landrat Manfred Görig und der Lauterbacher Dekan der evangelischen Kirchengemeinde, Stefan Kaffehn, erschienen. Kommunale und kirchliche Einrichtungen, Pro Asyl und die Volkshochschule legten Knowhow und Geld zusammen, um für unerwartet viele Teilnehmer Mittel bereit zu stellen. Damit nahm das Vogelsberger Projekt in Deutschland sogar eine gewisse Vorreiterrolle ein, erklärte Ralf Müller – gemessen an den Anfragen nach Rat aus dem ganzen Land.

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Der kirchliche Bildungsreferent Ralf Müller erläuterte Hintergrüdne und Ablauf des Lehrgangs für die Flüchtlingsbetreuer.

Sechs Abende und ein Ausflug gehörten zum Programm

An sechs Abenden trafen sich die Männer und Frauen seit Oktober, erläuterte Ralf Müller am Mittwoch. Sie lernten über etliche Stunden die Grundlagen in Sozial- und Flüchtlingsrecht sowie das Kirchenasyl kennen. Sie besuchten auch die zuständigen Mitarbeiter in den Ämtern – und fuhren für ein Wochenende nach Wiesbaden, um sich über den Umgang mit traumatisierten Menschen zu informieren. Das alles, um der wachsenden Zahl von Flüchtlingen mit einer Willkommenskultur begegnen zu können. Künftig können sie die bestehenden Einrichtungen der Flüchtlingsbetreuung in der alltäglichen Arbeit unterstützen.

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Dank ging auch an einen Teilnehmer mit besonderem Hintergrund: den langjährigen Alsfelder Pro Asyl-Aktivisten Konrad Rüssel.

„Das Ehrenamt muss uns unterstützen“, stellte Landrat Manfred Görig in einer kurzen Ansprache fest. Denn die Kreisverwaltung alleine könne der wachsenden Aufgabe nicht Herr werden – obwohl auch dort die Mittel aufgestockt worden seien. Alleine: Es leben bereits 588 Flüchtlinge im Vogelsbergkreis, erklärte Görig – und ein Ende des Zustroms sei nicht absehbar. Derzeit seien im Erstaufnahmelager in Gießen gut 4000 Menschen untergebracht – von denen eine Reihe auch noch in den Vogelsbergkreis kommen werde. Ehrenamtliche Hilfe sei daher unbedingt notwendig, und die Teilnehmer des Kurses vermitteln nun auch eine Botschaft: „Es gibt Menschen, die anderen Menschen helfen, die es nicht so gut haben wie wir!“ Es seien Menschen, die sagen: „Du bist willkommen“, stellte der Dekan Sauer fest und schloss: „Es steht uns als Gesellschaft gut an , dass Menschen dazu bereit sind!“

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Eine kleine Übergabefeier fand unter dem Dach des Cafés Alte Molkerei statt.

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