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Am Ort des Geschehens: Andreas Dippel zeigt den Hochsitz, von dem aus die Labrador-Hündin Mali getötet wurde. Fotos: aep

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Nach dem tödlichen Schuss auf die Labrador-Hündin: auf Spurensuche im WaldMali muss zuerst im Blickfeld aufgetaucht sein

ALSFELD. Es ist ein normaler Waldwirtschaftsweg: nicht schmal, nicht kurvig und auch nicht von auffälligen Bäumen eingefasst. Das Weiß der geschlossenen Schneedecke erlaubt weite Blicke ins Unterholz. „Hier war es“, sagt Andreas Dippel, hält das Auto an. Er steigt aus, geht an den Wegrand und sieht auf einmal ganz hilflos aus: „Genau hier war Mali, als es passierte.“ Passiert ist, dass am Samstag an der Stelle auf dem Alsfelder Homberg ein Jäger einen kleinen Hund erschoss – der Fall erregt die Gemüter. Der Besitzer Andreas Dippel zeichnet mit Oberhessen-live den Weg der tödlichen Kugel nach: Wie konnte das geschehen?

Die langgezogenen Wege in dem Waldstück auf dem Alsfelder Homberg werden gerne von Spaziergängern und Joggern genutzt – so auch von dem 49-jährigen Andreas Dippel, wenn der sich am Wochenende von seiner Arbeit in Frankfurt erholt: „Ich gehe dann häufig mit Mali da oben spazieren“, erzählt er. Am vergangenen Samstag sind Herrchen und die 32 Monate alte Labrador-Hündin sogar auf der großen Runde unterwegs gewesen: „Es war so schönes Wetter, zeitweise gab es sogar Sonne!“ Rund acht Kilometer weit führt die Strecke ab dem Schießplatz quer über den Küppel.

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An diesem unscheinbaren Stück Waldweg starb Mai durch die Kugel eines holländischen Jägers.

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Fast am weitesten Punkt biegt der Kurs scharf nach links ab und folgt dann über mehrere Hundert Meter einem leicht nach links gebogenen Weg. Dort sei er rechts auf dem verschneiten Weg gegangen, erzählt Andreas Dippel. Und vielleicht noch zwei Meter weiter rechts lief die nur etwa 30 bis 40 Zentimeter große Labrador-Hündin. Ohne Leine. Das war normal, und die Hündin habe sich auch nur selten mehr als fünf Meter entfernt, erzählt der Alsfelder.

Als Welpe zur Familie Dippel gekommen

Als Welpe war Mali zu der Familie Dippel gekommen, und offiziell gehörte sie der jüngeren, 14 Jahre alten Tochter. Besonders gerne sei aber sein Schwiegervater mit dem Tier spazieren gegangen. Mali sei leicht zu führen gewesen: „Sie hörte aufs Wort!“ Und nur am Anfang habe sie aufgeregt reagiert, wenn etwa im Wald Wild über den Weg wechselte. Der freundliche Labrador mit dem dunkelbraunen Fell und treuen Augen war für die Dippels ein Familienmitglied.

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Der Tod der Labrador-Hündin hat viel Aufsehen erregt. Ein weiter Bericht bei Oberhessen-live befasst sich mit der rechtlichen Frage: Darf ein Jäger im Wald auf Hunde schießen?

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Plötzlich gab es einen Knall, erinnert Andreas Dippel sich an den Samstag: „Das war ganz laut! Ich dachte gleich, das ist ein Jäger.“ Er wollte den Hund lieber anleinen, sprach ihn an: „Mali!“ Mali drehte noch den Kopf, erzählt er nun langsam und mit gepresster Stimme. Aber bevor der Mann sich herunter beugen konnte, fiel das Tier um. „Ich bin zu ihr runter, habe ihren Kopf gehoben, und da kam schon das Blut aus dem Maul.“ Andreas Dippel ahnt, was  geschehen sein könnte. Hilflos ruft der Mann blindlings in den Wald: „Was soll denn das?“ Aber da war niemand, nur die leere Winterwaldszene.

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Der Blick des Jägers vom Hochsitz aus – weder in Weitwinkel- noch Tele-Verzerrung: Da wo der Pfeil hinzeigt, befindet sich Andreas Dippel, halb verdeckt von einer Tanne. Der Weg verläuft von links ins Bild.

Hilflos und alleine mit der toten Mali

Minuten habe es gedauert, sagt Andreas Dippel, bis sich auf dem Weg ein Mann näherte und in 20 Metern Entfernung stehenblieb, sich dann aber wortlos umdrehte und zurückging. Der Jäger zückte ein Handy und telefonierte. Weitere Minuten später kam ein zweiter Jäger, ebenfalls ein Holländer. Der sprach den bei seinem Hund kauernden Alsfelder an: Es tue ihm leid, sein Kollege spreche leider kein Deutsch. Dann kam auch der Jagdpächter. Gemeinsam betteten sie die tote Mali in eine Wanne, trug sie zur Jagdhütte. Man versprach Ersatz für das Tier. „Ich stand völlig neben mir“, erinnert sich Andreas Dippel. Er ließ sich erst einmal beschwichtigen, fuhr nach Hause. Und dort folgte der Entschluss: Um eine Anzeige bei der Polizei kommen die nicht herum! Die Polizei ermittelt jetzt, war ebenfalls mit Andreas Dippel auf dem Homberg.

Es sieht so harmlos friedlich aus, wo sich das Drama am Samstag abspielte. Von der Stelle aus, an der Mali starb, ist der Hochsitz links auf der anderen Wegseite kaum zu erkennen. Wer die Flugbahn der Kugel vom Hochsitz aus nachvollzieht, der erkennt: Das war ein gut gezielter Schuss über locker 100 Meter, zwischen Baumstämmen und an einer kleinen Tanne vorbei. Andreas Dippel führt zum Hochsitz und geht zurück zu dem Ort, an dem jetzt eine Rose an Mali erinnert. Er hebt den Arm: Dann ist der Mann, halb verdeckt von der Tanne, gerade mal zu sehen – sofern man auf dem Hochsitz steht.

Verdeckt von einer kleinen Tanne

Es drängt sich ein Bild auf, wie das Drama sich abgespielt haben könnte: Auf dem leicht gebogenen Weg tauchte zuerst der Hund im Blickfeld des Jägers auf – sicherlich nur im Fernglas überhaupt erkennbar – während das Herrchen noch von der kleinen Tanne am Wegrand verdeckt wird. Die Sekunden, bis auch der Mann für den Jäger sichtbar wird, reichten aber, dass der abdrückt und fatalerweise auch gut trifft. Ob es sich so abspielte, muss nun die Polizei ermitteln – und auch die Frage klären, warum der Jäger aus Holland überhaupt schoss. Nach Einschätzung von Vogelsberger Jägern dürfte er den Mindestgrundsatz aller Jäger missachtet haben: ein Tier klar zu erkennen, ehe man auf es schießt.

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Eine Rose erinnert an Malis Tod. Die blutigen Spuren hat neuer Schnee inzwischen überdeckt.

Gut eine Stunde dauert der Ausflug mit Andreas Dippel zum Ort des Geschehens. Der Mann, der als Bauleiter mit beiden Beinen auf dem Boden steht, erzählt bereitwillig von den Ereignissen, wenngleich manchmal stockend. Der Schmerz, mit Mali ein Familienmitglied verloren zu haben, wird spürbar – und vielleicht ist das Erzählen für ihn auch ein Stück Bewältigungsarbeit. Weitere Medien haben ihren Besuch angesagt, und vielleicht sensiblisiert die Geschichte dann genug, dass so etwas nicht mehr passiert.

Für Andreas Dippel aber hat der waldige Homberg seinen Reiz verloren. Selbst wenn der Schmerz weg ist, selbst wenn es einen neuen Hund gibt: „Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder da mit einem Hund spazieren gehen kann!“

von Axel Pries

10 Gedanken zu “Mali muss zuerst im Blickfeld aufgetaucht sein

  1. Was Familie Dippel erleiden muss, kann nur jemand ermessen, der selber ein vierbeiniges Familienmitglied hat.

    Ein Jagdbezirk bedeutet einen hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand, dazu wünsche ich mir auch, dass diese Leute die entsprechende geistige Reife mitbringen. Wer das nicht leisten kann, und stattdessen psychisch wie auch immer geartete Subjekte aus dem Ausland hierher karren muss, die unter den dort strengeren Jagdgesetzen „leiden“, der soll sich bitte ein anderes Hobby suchen.

    Menschen, die nur daran interessiert sind, Herr über Leben und Tod anderer Kreaturen zu sein und auf alles ballern, was ihnen vor die Flinte kommt, mögen doch bitte bei sich selber anfangen, das spart vielen unnötiges Leid.
    Ich bin kein grundsätzlicher Gegner der Jagd, aber was hier passiert ist unglaublich.
    Das Erschießen von Haustieren muss komplett verboten werden, wenn ein Hund wildert, sollte man den Halter bestrafen, und nicht den Hund, der kann nämlich nichts dafür, dass er Hund ist.
    Ich hoffe, die Verantwortlichen sorgen dafür, dass sich sowas nicht wiederholt, oder müssen wir uns alle bewaffnen, wenn wir in den Wald gehen?

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  2. Sehr schön dass Herr Dippel, sowie Herr Holland-Letz auf die Wildwestmanieren der Jagdpächter in deutschen Wäldern aufmerksam machen. Noch schöner wäre allerdings, diese Berichterstattung hätte es nie geben müssen und die Allgemeinheit könnte weiterhin entspannt in deutschen Ländern spazieren gehen.

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  3. Bei so viel Hochstablern in unseren Wäldern bekommt man große Lust mit der Säge in den Wald zu ziehen und die Jäger mal in Form von angesägten Hochsitzen etwas tiefer stabeln zu lassen.
    Hier hilft bedauerlicherweise nur Selbstjustiiz. Die Gesetze werden sich wohl so schnell nicht ändern. Denkt doch mal nach wer so alles auf die Jagd geht: Anwälte, Richter, Juristen, Politiker usw…. Die machen sich ihre Gesetze schon so wie es ihnen gefällt.
    Wer da auf eine Änderung der Jagdgesetze hofft, wird auf lange Sicht enttäuscht werden.
    Mit Vernunft kommt man an solche machtgeilen Deppen sowieso nicht ran.

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  4. die besorgte Bürgerin ist gut informiert, ab 1.4. werden da vermutlich vermehrt gelbe Kennzeichen zu sehen sein.

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  5. Diese Gastjäger sind nicht wirklich Gäste. Sie bezahlen natürlich für den Jagtausflug. Die Holländer befinden sich sozusagen auf Safari.

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  6. Wir sind selbst Jäger, aber so was ist ein unverzeihliches, unverantwortliches,tötungsgeiles Tun! Jagdschein SOFORT wegnehmen, hart bestrafen.Für was brauchen wir eigentlich Jäger aus dem Ausland?
    Unsere Jagdhunde sind geliebte Familienmitglieder, ich hätte für Nichts mehr garantieren können, wenn dieser Idiot einen von ihnen erlegt hätte.
    Dann Gnade ihm Gott…..

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  7. Ich habe heute aus gewöhnlich gut informierten Kreisen gehört, dass das Jagdrevier am Homberg neu ausgeschrieben wird. Demnach soll ein Holländer das „beste Gebot“ abgegeben haben. Es sollen wohl mehrere Angebote vorliegen. Natürlich bekommt derjenige mit dem besten Gebot auch den Zuschlag. Nach den Vorfällen der letzten Wochen mit ausländischen Gastjägern, wäre das einfach nur ungeheuerlich.
    Herr Pries, es wäre schön wenn sie bei Herrn Döweling und Herrn Rupp mal genauer recherchieren könnten.

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  8. Dieses Pack ist wie die IS und genauso sollten sie bekämpft werden. Feiglinge die sich nur an Tieren auslassen können. Jedem Jäger eine Kugel.

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  9. Für was brauchen wir denn ausländische „Gastjäger“?

    Wenn der Jagdpächter am Homberg sich die Pacht nicht leisten kann, soll er Skat spielen oder sich ein kostengünstigeres Hobby suchen.
    Da sind u.a. die Jagdgenossenschaften und der Gesetzgeber gefragt. Hier müssen dementsprechende Auflagen und Regelungen gefunden werden, die diesem „Jagdtourismus“ ein schnelles Ende bereiten.

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